Ein kleines Stück Frankreich

Als nächstes standen die Highlands in Zentral-Vietnam auf dem Plan. Genauer gesagt die Stadt Da Lat. Gut dass ich auf sämtliche Witterungsbedingungen eingestellt war und nicht nur kurze Hosen und T-Shirts dabei hatte, denn Da Lat war schlichtweg kalt und verregnet. Während im Rest des Landes Temperaturen zw. 27° und 33° herrschten, waren es in Da Lat stellenweise sogar unter 20°. Das klingt nicht sonderlich wenig. Schon gar nicht für alle diejenigen die sich im Moment im kalten Deutschland mit Temperaturen um die 0° rumschlagen müssen, aber wenn man sich schon wochenlang auf heißr, feuchte Luft eingestellt hat, dann packt man bei 20° tatsächlich auch schon mal die langen Sachen aus.

Da Lat hat mich an diesem Tag eher unfreundlich begrüßt. Es hat geregnet und es war wirklich kalt. Das kam meiner angehenden Erkältung, wahrscheinlich verursacht durch die Klimaanlagen in den Hotels, natürlich gar nicht zu gute. Im Stadtzentrum aus dem Bus ausgestiegen wurde ich mal wieder wie üblich von Moto-Taxis (also Mopedfahrer die sich was dazuverdienen wollen und Touristen zu überteuerten Preisen zu ihrem Hotel oder wohin auch immer fahren) überrannt.

Diesmal waren allerdings auch ein paar andere Fahrer darunter. Die sogenannten „Easy-Rider“. Das erste mal sind die mir in Nha Trang über den Weg gelaufen und ich glaube ich habe schon geschrieben, was diese Jungs machen. Das Schöne diesmal war, dass mich der werte Herr Easy-Rider umsonst zu meinem Hotel fahren wollte. Im Gegenzug musste ich mich später nur von ihm wegen einer Tour belabern lassen. Aber was tut man nicht alles dafür um ein bisschen Geld zu sparen dachte ich, bis ich nach einer halben Stunde „Verkaufsgespräch“ doch tatsächlich eine Tour für die darauffolgenden Tage bei ihm gebucht habe. Ich hatte noch Stunden später Gewissensbisse ob es die richtige Entscheidung war, denn diese Touren sind nicht gerade günstig. In Nha Trang hatte ich sie ja aus Kostengründen schon sofort abgelehnt. aber dieser Typ war ein echtes Verkaufstalent, sprach echt gut Englisch und war obendrauf auch noch sympathisch. Um seine Guide-Fähigkeiten zu testen habe ich immerhin noch eine 2 Stunden Stadtführung auf seinem Bike umsonst rausgehandelt. Das hat sich später auch wirklich als hilfreich rausgestellt, denn zu Fuß hätte ich die ganzen Orte niemals in einem Nachmittag ablaufen können.

Da Lat passt mal so gar nicht in die vietnamesische Landschaft. Nicht nur wegen des milden Klimas sondern auch wegen der sehr europäisch anmutenden Architektur. Die Stadt wurde um 1900 von französischen Kolonialherren gegründet und besonders wegen des Klimas geliebt. Hier errichteten die Franzosen ihre Wochenendvillen und Altersruhesitze und diese prägen bis heute noch den Charme der Stadt. Ich hatte auch das Gefühl, selbst neue Häuser werden weiterhin in diesem europäischen Stil gebaut. Zumindest von denen die es sich leisten können.

haus-da-lat-vietnam
Nicht gerade typisch Vietnam
kolonialstil-da-lat-vietnam
Hier sieht es wirklich aus wie in Frankreich

Aber nicht nur die Architektur passt nicht zu Vietnam, auch die vielen Gewächshäuser, in denen die exotischsten Blumen rangezogen werden, oder Obst und Gemüse wie Erdbeeren, Kohl, Möhren usw. also alles was in Mitteleuropa auch wächst und in anderen Teilen Vietnams aufgrund des Klimas nicht wachsen würde. Also mal abgesehen von den Vietnamesen die hier leben ist die Stadt ganz und gar europäisch.

Zuerst fuhren Mui (der Easy-Rider) und ich zum alten Bahnhof Da Lats. Von den Franzosen gebaut, ist er heute schon ein paar Jahrzehnte nicht mehr in Betrieb. Der Bahnhof scheint heute eher ein beliebter Platz für Hochzeitsfotos zu sein und nur wenige Touristen verirren sich hierhin.

daecher-da-lat-vietnam
Blick auf Da Lat

Anschließend fuhren wir in den alten Bezirk Da Lats, wo noch einige der früher gebauten Villen stehen. Viele sind heute zum Hotel umfunktioniert. Dann gibt es da noch das „Crazy House“. Ein Hotel, dass von der Tochter eines ehemaligen Präsidenten Vietnams gebaut wurde. Die gute Frau studierte viele Jahre in Moskau Architektur bevor sie zurück nach Vietnam kam und damit begann, die Gegend rund um Da Lat mit ihrer wirklich surrealistischen Architektur zu „verschönern“. Das Crazy House ist wirklich in jeder Hinsicht verrückt. Hundertwasserhäuser sehen dagegen ja fast schon normal aus. Es ist schwer zu beschreiben und ebenso schwer zu fotografieren denn man erkennt wirklich kein Haus auf den Fotos.

crazy-house-da-lat-vietnam
Das Crazy House in Da Lat

Wikipedia beschreibt das ganze so: „Das Innere der Gebäude besteht aus Höhlen,
verschlungenen Gängen, gewundenen Treppen, skurrilen Möbeln und lebensgroßen Tierstatuen. Gerade Formen und rechte Winkel gibt es nicht. Egal; ob Räume, Gänge, Treppen, Fenster oder Möbel – alles wirkt, als ob es in großer Hitze geschmolzen und dann in grotesken Formen wieder erstarrt wäre.“ – treffend – Danke Wikipedia!

Nachdem wir noch ein bisschen durch die Stadt gecruised sind und uns Da Lat von allen Seiten angeschaut haben, waren die 2 Stunden auch schon vorbei. Abends lernte ich noch zwei Deutsche auf dem Nachtmarkt kennen. Wir hatten uns alle drei irgendwie verlaufen und kamen ins Gespräch. Nachdem wir ein paar Minuten auf Englisch gequatscht haben, kam dann raus das wir alle aus Deutschland sind. Es war eigentlich ganz schön mal jemand zu treffen mit dem man mal wieder Deutsch reden konnte. Witzigerweise hatten die beiden das selbe Problem mit der Erkältung wie ich. Wir hatten noch ein gemeinsames Abendessen und quatschten noch ein bisschen, eh ich mich dann verabschieden musste, denn morgen sollte ja die große Tour starten.

natur-gruen-da-lat-vietnam
Unterwegs in den Highlands
Stefan

seit über 10 Jahren Fotograf und seit 2009 offiziell reisesüchtig und permanent von Fernweh geplagt, bin ich immer wieder auf der Suche nach neuen Abenteuern in der großen weiten Welt. Auf meinem Blog möchte ich dir alle meine Tipps zum Thema Reisen und Fotografie verraten und dafür sorgen, dass du perfekt gerüstet in dein nächstes Abenteuer startest!Hier erfährst du mehr Über mich

Zur Zeit keine Kommentare

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.