Mein Leben in einer vietnamesischen Familie und eine Hochzeit

In Haiphong habe ich eine Woche bei einer vietnamesischen Familie verbracht und wie es der Titel verrät war ich hier zu einer Hochzeit eingeladen.

Also einen besseren und authentischeren Einblick kann man wohl kaum bekommen. Die Familie, bestehend aus vier Geschwistern, teilweise mit Ehepartner, und/oder/ Kindern, Enkelkindern sowie dem Hausmädchen isst zusammen in großer Runde, geduscht wird mit einer Art Schöpfkelle aus einem großen Waschbecken und geschlafen wird quasi ohne Matratze. Ich habe dann glücklicherweise eine „Unterlage“ bekommen die wenigstens minimalen Komfort brachte. Die Familienmitglieder jedoch haben auf einem Bett komplett ohne Matratze nur aus Holz geschlafen. Harte Jungs die Vietnamesen. Aber ich muss auch sagen man gewöhnt sich nach ein paar Tagen auch daran.

Authentisch vietnamesisch das heißt aber auch: kulinarisches Neuland! In Vietnam ist laut dem Mondkalender gerade Hundezeit – und das heißt auf dem Teller. Am 28.10. erlaubte der Mondkalender, dass eine besondere Delikatesse auf den Tisch kommt. Ich habe mich wirklich geweigert das überhaupt zu probieren, auch wenn ich bisher nahezu alles probiert habe, aber der Gedanke das zu essen hat mich eigentlich nur angewidert. Beim Abendessen dann stand der Teller mit dem Hundefleisch vor mir und alle haben es sichtlich genossen. Jeder hat gesagt ich sollte es doch unbedingt mal probieren, es ist eine Delikatesse und schmeckt ähnlich wie Hirschfleisch. Anfangs begnügte ich mich mit dem Hähnchen und dazu habe ich eine dunkelbraune Soße gegessen die mich geschmacklich sehr an Hirsch erinnert hat. OMG… was war das?? Wie ich dann erfahren habe war es eine Art Fond die aus dem Fleisch vom Hund gemacht wurde und mit … Blut abgeschmeckt wird. Es war sehr intensiv und das Ding ist, es hat wirklich nicht schlecht geschmeckt. Danach dachte ich könnte ich jetzt auch mal ein Stück Fleisch probieren. Jetzt ist es eh zu spät und unsinnig sich zurückzuhalten. Die Konsistenz ist leicht zäh und geschmacklich ist es ein Mix aus Hirsch und Schwein. Also gar nicht soo schlecht. Um ehrlich zu sein. ich denke ich
muss es nicht noch mal haben, aber im Nachhinein bin ich eigentlich ganz froh es doch probiert zu haben.

 

Natürlich habe ich auch tatkräftig bei den Vorbereitungen für die Hochzeit mitgeholfen und ich muss sagen: Hochzeitsvorbereitungen und Hochzeiten selbst sind hier ganz genauso stressig wie wahrscheinlich überall anders auch. Die vietnamesische Hochzeit beginnt eigentlich schon einen Tag vor der Trauungszeremonie. Erst dachte ich es ist ähnlich wie in Deutschland der Polterabend, der findet ja auch ein paar Tage vor der eigentlichen Hochzeit statt. Aber es ist ganz anders. Der engere Kreis der Familie des Bräutigams kommt zum Haus der Braut, beide Familien treffen sich hier eigentlich zum ersten Mal richtig und die Eltern und Großeltern des Paares akzeptieren das neue Familienmitglied. Anschließend werden die Ahnen am Altar, der in jedem Haus steht, geehrt und dem Paar werden viele Geschenke in Form von Obst, Bier, Gebäck usw. gemacht. Zu diesem ersten Fest werden ausschließlich enge Verwandte der Paares eingeladen sowie Freunde der beiden, die dafür zuständig sind die Geschenke, die auf großen Tellern aufgetürmt sind, zu überreichen.

Wir haben davor den ganzen Tag damit zugebracht das Haus zu schmücken und es hat wirklich bis in die Nacht gedauert. Am Tag selbst fing es so gegen 10 Uhr an und war überraschenderweise auch schon nach etwa 1,5 Stunden vorbei. Ich dachte nur: und für sowas dieser ganze Stress? Ich war wirklich der Meinung jetzt wird bis in die Nacht gefeiert. Fehlanzeige. Dann wurde auch schon alles wieder aufgeräumt, es wurde gegessen und alle gingen zum Mittagsschlaf über, der in Vietnam übrigens einen sehr hohen Stellenwert hat und von nahezu jedem genutzt wird.

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Am zweiten Hochzeitstag kam die ganze Verwandschaft und die Freunde des Paares zusammen. In erster Linie entscheiden hier die Eltern wer eingeladen wird. Gefeiert wurde diesmal in einem Ballsaal. Das Hochzeitspaar sowie die beiden Elternteile standen auf einer Bühne während eine Moderator lautstark das Paar ankündigt und feiert. Zwar wird das alles hier wahnsinnig zelebriert, aber von diesem schreiendem Moderator kam ich mir schon etwas überfordert vor, zumal ich noch dazu ja kein Wort verstanden habe. Danach gab es ein kleines Feuerwerk, der Kuchen wurde angeschnitten, Sekt wurde vom Brautpaar eingeschenkt und das Paar ging von Tisch zu Tisch um mit jedem dort auf die Hochzeit anzustoßen. Anschließend gab es reichlich Essen und Trinken. Aber auch hier war das Programm schon nach einigen Stunden beendet und alle sind nach Hause gegangen. Ratet mal was sie dort gemacht haben.

An dieser Stelle muss ich aber echt nochmal mit einem riesen Vorurteil gegen die Vietnamesen aufräumen. Die meisten von euch denken Asiaten im allgemeinen vertragen keinen Alkohol, oder trinken nicht viel? Alles falsch! Das was ich hier in dieser Woche erlebt habe entspricht eher dem Gegenteil. Zu jeder Mahlzeit (außer zum Frühstück natürlich) gab es hier einen wahrscheinlich selbst gebrannten Schnaps, der geschmacklich Whiskey sehr nahe kommt. Nicht etwa nur ein bis zwei Gläschen …aller 2 Minuten wurde hier angestoßen, das Glas leer getrunken und anschließend sofort nachgeschenkt. Am zweiten Hochzeitstag habe ich glaube ich so viel Balentines wie in meinem ganzen Leben noch nicht getrunken. Viel hat bestimmt nicht mehr zum völligen Absturz gefehlt. Einige der Gäste hat es an diesem Tag jedenfalls entschärft. Was tut man nicht alles aus Höflichkeit!

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Stefan

seit über 10 Jahren Fotograf und seit 2009 offiziell reisesüchtig und permanent von Fernweh geplagt, bin ich immer wieder auf der Suche nach neuen Abenteuern in der großen weiten Welt. Auf meinem Blog möchte ich dir alle meine Tipps zum Thema Reisen und Fotografie verraten und dafür sorgen, dass du perfekt gerüstet in dein nächstes Abenteuer startest!Hier erfährst du mehr Über mich

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