Indonesiens Vulkane – 5 Tage Abenteuer pur

Kaum vorstellbar, aber unsere dreimonatige Reise ist fast vorbei. Nun brechen die letzten zwei Wochen an und wir sitzen im Flugzeug nach Indonesien. Zum Abschluss wollen wir noch einmal Abenteuer pur. Auf Java werden wir in den nächsten vier Tagen zwei Vulkane besteigen – Bromo und Ijen.

Von Yangon geht’s über Kuala Lumpur nach Denpasar, Bali. Von hier fliegen wir am nächsten Tag weiter nach Surabaya, Java. Und zwar für den günstigsten Preis, den wir je für einen Flug bezahlt haben. Der einstündige Flug mit Aufgabegepäck kostet uns schlappe 26€ – unvorstellbar dass sowas überhaupt geht.

Wir haben erst über eine dreitägige geführte Vulkantour nachgedacht. Einfach mal um nichts kümmern, wäre ja schon mal ganz reizvoll. Der Preis ist aber ausschlaggebend dafür, dass wir uns dagegen entscheiden – außerdem sind wir auf eigene Faust auch viel flexibler.

Also steigen wir in Surabaya aus dem Flugzeug und suchen uns das günstigste Taxi, das uns ins 100km entfernte Cemoro Lawang bringt. Die Frauen am Taxischalter schreien sich die Seele aus dem Leib, jeder will, dass wir mit ihnen fahren. Und so haben wir schnell den Preis, den wir wollen – 500.000 Rupien (umgerechnet ca. 30€).

In knapp vier Stunden bringt uns der Taxifahrer nach Cemoro Lawang. Die letzten 40km sind dabei nichts für einen schwachen Magen. In engen Serpentinen geht es immer weiter hinauf, bis wir auf ca. 2.100m unser Ziel erreichen.

Wir haben uns für zwei Nächte im Bromo Homestay eingemietet. Nicht schön und winzig klein, aber mit direktem Blick auf den Bromo und mit 350.000 Rupien pro Nacht relativ günstig für die Gegend. Hinzukommt der Eintritt für den Nationalpark rund um den Bromo – theoretisch müsste man den bereits am Eingang zahlen, also bevor man überhaupt zum Homestay gelangt. Aber der Besitzer hat uns vorher angewiesen nichts zu bezahlen, er würde das dann mit uns verrechnen. Also zahlen wir ihm noch einmal 150.000 Rupien pro Person – naja, ob das mit rechten Dingen zugeht. Egal, es ist weniger als der tatsächliche Eintrittspreis.

Eine Wunschlos-Glücklich-Tour würde nun vorsehen, dass wir um 3 Uhr nachts mit einem Offroader zu einem Aussichtspunkt gefahren werden, um von dort den Sonnenaufgang über dem Bromo zu genießen. „Genießen“ ist vielleicht das falsche Wort, denn der Aussichtspunkt wird von wirklich allen Touranbietern angefahren. Dort oben geht es morgens um 4:30 Uhr ganz schön eng zu, denn der Bromo ist ein wirklicher Touristenmagnet.

Da wir alles auf eigene Faust planen, sind wir flexibel. Wir wollen laufen, denn so haben wir die Chance zu einem Aussichtspunkt zu gelangen, der nicht mit dem Geländewagen zu erreichen ist. Hoffentlich ist da weniger los.

Erstmal heißt es aber, Abendessen im Dorf und dann früh ins Bett!

Mitten in der Nacht machen wir uns an den Aufstieg zum Aussichtspunkt. Der Weg ist nicht schwer zu finden. Wir folgen der Straße aus dem Dorf hinaus, die in Serpentinen bergauf führt – ca. 600 Höhenmeter sind zu überwinden. Theoretisch könnte man sich, um Kraft zu sparen für den ersten Teil der Strecke ein Moped mieten, aber das würde unsere Kasse nur zusätzlich belasten – also laufen wir.

Nach ein wenig mehr als einer Stunde erreichen wir den Seruni Viewpoint II. Die Strecke ist definitiv machbar. Auch wenn es an der ein oder anderen Stelle ganz schön steil bergauf geht, lohnt sich die Mühe. Wer nicht geübt ist, plant einfach ein bisschen mehr Zeit ein.

Sonnenaufgang über Cemoro Lawang
Sonnenaufgang über Cemoro Lawang

Auf Java geht die Sonne im November schon recht früh auf, bereits um 4 Uhr morgens fängt es an zu dämmern. Wer also noch eine Nachtaufnahme machen möchte, sollte früh genug losgehen. Noch ein kleiner Tipp: Zwar sind wir hier in Indonesien und man ist geneigt nur mit kurzer Hose und Flip-Flops herumzuspringen, aber aufgrund der Höhe liegen die Temperaturen in der Nacht im einstelligen Bereich und es ist bitter, bitter kalt – also unbedingt auch warme Sachen einpacken. Zwar kommt man beim Aufstieg ganz schön ins Schwitzen, aber dafür friert man umso mehr beim Warten auf den Sonnenaufgang.

Selfie bei Sonnenaufgang
Dick eingepackt, warten wir auf die Sonne

An diesem Tag sind gegen 3 Uhr morgens noch fast keine Leute hier oben und auch im Laufe der Dämmerung gesellen sich nur ein paar Leute hinzu. Hauptsächlich einheimische Touristen nehmen den anstrengenderen Weg auf sich.  Alle anderen lassen sich den Berg hinauf zum Seruni Viewpoint I fahren. Das ist unser Glück – so können wir in Ruhe diesen magischen Moment erleben.

Bromo bei Sonnenaufgang
Beeindruckende Kulisse im Morgenlicht
Blick auf den Bromo vom Seruni Viewpoint II
Damals wie heute, der Blick auf den Bromo ist spektakulär

Bereits vor 8 Jahren stand ich hier – damals war ich aber einer der vielen hundert Touristen, die sich mehr oder weniger bequem zum Aussichtspunkt haben fahren lassen. Aber die Kulisse hat absolut nicht an Zauber verloren. Langsam taucht die aufgehende Sonne den Himmel in ein helles Rot-Violett und gibt den Blick auf die beeindruckende Vulkanlandschaft frei. Was für ein toller unvergesslicher Moment. Im Tal erhebt sich der Vulkan aus dem Nichts – kein Leben, weit und breit, nur Asche so weit das Auge reicht. Wieder einmal wird mir in diesem Moment bewusst, zu was die Natur in der Lage ist – Wahnsinn!

Viele machen sich direkt nach Sonnenaufgang wieder auf den Weg nach unten, denn für sie fährt bereits in wenigen Stunden der Bus zur nächsten Station. Da wir noch eine zweite Nacht gebucht haben, sind wir völlig frei und beschließen, noch einmal alle Kraftreserven zu mobilisieren und weiter hoch zum King Kong Hill zu laufen.

Hier herrscht gegen 6:30 Uhr tote Hose. Alle sind bereits wieder in die Geländewagen gestiegen und auf dem Weg zum Vulkankrater. Von oben lässt sich erahnen, dass dort gerade ganz schön was los ist. Gut, dass wir dafür noch den ganzen Tag Zeit haben.

Blick auf den Bromo vom King Kong Hill
Blick auf den Bromo vom King Kong Hill
Panorama-Aufnahme des Bromos
Beeindruckend erheben sich die Berge aus der sonst so öden Landschaft

Der King Kong Hill liegt zwar höher als der Seruni Viewpoint II, aber im Vergleich gefällt uns die Sicht auf den Bromo vom Seruni Viewpoint II besser. Wenn du Zeit mitbringst und die Anstrengung nicht scheust, dann ist der Seruni Viewpoint II mitten im Wald also eine echte Alternative für dich.

Gegen 7 Uhr machen wir uns dann wieder an den Abstieg. Wir halten an einem kleinen Kiosk an, gönnen uns noch einen Instantkaffee und ich nutze die Chance einige Portraitaufnahmen der Einheimischen zu machen, die uns auf dem Weg nach unten begegnen. Pünktlich zum Frühstück um 9 Uhr erreichen wir unsere Unterkunft. Die Sonne steht inzwischen so hoch am Himmel, dass wir gemütlich auf der Terrasse vor der Unterkunft frühstücken können. Es gibt gebratenen Reis, frisch geliefert aus einem Restaurant im Dorf. Gut gestärkt, fallen wir erschöpft ins Bett um Kraft für den Marsch am Nachmittag zu sammeln.

Portrait einer Einheimischen

Portrait einer Einheimischen

Gegen 14:30 Uhr brechen wir erneut auf, diesmal geht es für uns zum Krater. Von unserer Unterkunft sind es ca. 3 km zum Krater des Bromos – je nachdem welchen Weg man durch das Aschefeld „Sea of Sands“ wählt. Der Weg durch die Aschedünen ist echt beeindruckend, aber auch anstrengend – vor allem weil wir noch die Kilometer des heutigen Morgens in den Beinen haben. Für den Weg benötigen wir knapp eine Stunde.

Unterwegs im Sea of Sands
Quer durch „Sea of Sands“
Treppenaufgang zum Kraterrand
Die Treppen hinauf zum Krater

Den Krater führt eine Treppe hinauf. Je höher wir kommen, desto stärker wird der Schwefelgeruch und auch die Geräusche nehmen zu. Ich habe das Gefühl, ich kann den Vulkan atmen hören. Die Geräusche, die der aktive,  aber schlafende Vulkan von sich gibt, erinnern mich an die Turbinengeräusche eines Flugzeugs. Oben am Kraterrand angekommen, stellt sich ein klein wenig Beklommenheit ein – wir stehen ganz nah am Abgrund, können in den Krater schauen. Unvorstellbar, hier hat sich die Natur einen Weg vom tiefsten Inneren an die Erdoberfläche gesucht.

Blick in den Vulkankrater

Blick in den Vulkankrater
Blick in den Schlund des Vulkans

Der letzte Ausbruch des Bromos fand 2004 statt. 2010 wurde der Bromo aufgrund einer beginnenden Eruptionsphase für kurze Zeit für Touristen gesperrt, seitdem ist aber wieder Ruhe eingekehrt. Wir stehen also gerade am Abgrund einer tickenden Zeitbombe. Nur wenige Kilometer weiter auf Bali steht der Mt. Agung gerade kurz vor einer Eruption. Wie schon gesagt, die Kraft der Natur ist beeindruckend und wir spüren sie hier gerade am eigenen Leib.

Portrait Stefan am Kraterrand

Selfie auf dem Vulkankrater

Ich kann echt nur empfehlen den Weg zum Krater am Nachmittag auf sich zu nehmen. Wer die Zeit hat, sollte sich vom Fußmarsch auch nicht abschrecken lassen. Für alle Lauffaulen bieten sich auf dem Weg aber auch jede Menge Mopedfahrer an, die dich für kleines Geld bis zum Vulkan fahren.

Nur eine handvoll Leute sind an diesem Nachmittag mit uns hier oben. Wir können diesen unvergesslichen Moment genießen und in Ruhe einzigartige Fotos bei tiefstehender Sonne machen.

Portrait auf dem Vulkankrater bei Gegenlicht

Portrait auf dem Vulkankrater bei Gegenlicht
Gemeinsam durch jedes Abenteuer

Portrait auf dem Vulkankrater bei Gegenlicht

Noch im Hellen machen wir uns auf den Rückweg, die Beine sind schon ganz schön schwer. Aber es hat sich definitiv mal wieder mehr als gelohnt, die Tour auf eigene Faust zu organisieren und zu wandern, anstatt mit der Masse mitzuschwimmen.

Auf dem Rückweg vom Bromo
Sobald die Sonne auf 2000m verschwindet, ist es ganz schön kalt

Erschöpft fallen wir, nach einem leckeren Abendessen im Dorf, ins Bett. Eigentlich hatten wir geplant, in dieser Nacht wieder zum Aussichtspunkt zu laufen. Als der Wecker klingelt, ist der Himmel aber komplett bewölkt und wir beschließen, wieder ins Bett zu gehen.

Hauptstraße in Cemoro Lawang
Hauptstraße in Cemoro Lawang

Nach dem Frühstück nehmen wir ein Taxi, organisiert vom Besitzer des Homestays, zum Bahnhof ins 40 km entfernte Probolinggo . Zufällig will das spanische Pärchen im Nachbarzimmer auch zum Bahnhof und so können wir uns die Kosten von 250.000 Rupien teilen. Wer viel günstiger nach Probolinggo gelangen will, nimmt die kleinen Busse, die im Zentrum losfahren – allerdings erst bei kompletter Besetzung. Da wir noch kein Zugticket haben, ist uns dieses Risiko allerdings zu hoch, den Zug vielleicht zu verpassen, da man eben nie vorhersehen kann, wann der Bus losfahren wird.

Gegen 10 Uhr erreichen wir den Bahnhof – eine Stunde bevor der Zug zu unserem nächsten Ziel abfährt. Für uns geht es weiter ganz in den Osten Javas – nach Banyuwangi. Von hier wollen wir den nächsten Vulkan besteigen. Theoretisch ist es möglich, das Zugticket vorher online zu reservieren bzw. zu kaufen – in der Nebensaison besteht hier aber keine Notwendigkeit für uns. Die Preise unterscheiden sich je nach Klasse und Verfügbarkeit – wir zahlen am Schalter 60.000 Rupien pro Person (umgerechnet ca. 3,40€).

4 Stunden benötigt der Zug für die 200 km lange Strecke. Mit dem Zug fährt es sich in Indonesien aus meiner Sicht auch viel angenehmer als mit dem Bus. Eine Station bevor der Zug Banyuwangi erreicht, steigen wir in „Karangasem“ aus – dort holt uns Teddy, der Besitzer unser nächsten Unterkunft, ab.

Teddy gehört die wunderschöne Unterkunft „Paddy Hills Homestay“. Am Rande eines Reisfelds hat sich Teddy einen Traum erfüllt. Er hat ein Grundstück gekauft, seinen Job in einer Fabrik gekündigt und das Homestay eröffnet. Die traditionellen Bungalows hat er alle selbst gebaut und wir haben den schönsten von allen bekommen. Von unserer Terrasse haben wir einen tollen Blick auf die grünen Reisfelder und geduscht wird unter freiem Himmel – der Bungalow ist wirklich ein Traum, vor allem für einen Preis von 15€ pro Nacht.

Bereits vor unserer Ankunft hatten wir mit Teddy über Whats App Kontakt und ihn in unseren Plan, den Ijen zu besteigen, eingeweiht. Er überzeugt uns schließlich davon, die Tour auf den Ijen nicht auf eigene Faust zu unternehmen, sondern mit seiner Hilfe.

Die Tour ist aber erst für die folgende Nacht angesetzt, denn auch in diesem Fall nutzen wir die volle Flexibilität und buchen zwei Nächte anstatt wie üblich nur eine Nacht.

Nicht nur die Umgebung des Homestays ist toll, auch kulinarisch überzeugt Teddy. Er kocht zwar nicht selbst – aber er hat einen hervorragenden Lieferservice engagiert. Wenn du dort dein Essen bestellst, musst du unbedingt Murtabak probieren – ein unschlagbar leckeres typisches Gericht auf Java.

Den nächsten Tag gehen wir ganz gemütlich an. Nach einem leckeren Pancake zum Frühstück haben wir mal wieder Zeit in einem Buch zu schmökern und durch das Reisfeld zu streifen. Am Nachmittag statten wir einer Kaffeerösterei, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, einen Besuch ab. Hier wird noch mit der Hand geröstet und ich darf auch mal ran – erlebt man auch nicht alle Tage. Vor allem ist der handgeröstete Kaffee von hier ein tolles Mitbringsel für unsere Daheimgebliebenen.

Unterwegs im Reisfeld
Unterwegs im Reisfeld
Stefan röstet Kaffeebohnen
Stefan röstet Kaffeebohnen

An diesem Abend gehen wir zeitig ins Bett, denn bereits um 0 Uhr wird uns Teddy zum Ausgangspunkt für die Besteigung des Ijen fahren. Aber wie das immer so ist, wenn man sich vornimmt zeitig zu schlafen, irgendwie kann man ausgerechnet dann nicht einschlafen. Nicht mal zwei Stunden die Augen zugemacht, stehen wir halb 12 schon wieder auf und setzen uns zu Teddy ins Auto.

Um 1 Uhr morgens werden die Tore zum Ijen geöffnet. Es ist ein Samstagmorgen und es herrscht reges Treiben. Denn am Wochenende kommen auch sehr viele einheimische Touristen her. Noch schnell einen Instantkaffee und wir können auch schon los. Teddy hat uns einen Guide vermittelt, der den Weg mit uns bestreiten wird. Außerdem hat er uns ans Herz gelegt, dass wir uns in jedem Fall beeilen sollen, um vor der Masse am Krater zu sein und einen Blick auf die blauen Flammen zu werfen, die nachts aus den Felsspalten lodern.

Gesagt, getan – wir legen ein ordentliches Tempo vor, machen keine einzige Pause und sind nach ca. 80 Minuten die Ersten oben. Der Weg ist nicht sonderlich schwer, aber es geht die ganze Zeit bergauf – mal mehr mal weniger. Ich würde sagen, man braucht schon ein bisschen Kondition. Oben angekommen, pfeift uns der Wind um die Ohren und die ersten Schwefeldämpfe ziehen uns in die Nase, aber wir halten uns nicht lange auf, sondern steigen direkt in den Krater des Ijen hinein. Hier sind wir dankbar, dass wir Ryan – unseren Guide – an unserer Seite haben, der uns im Schein der Taschenlampe sicher die Kraterwand hinunter führt.

Auf dem Weg nach unten begegnen uns einige Minenarbeiter, die im Krater Schwefel abbauen und das abgebaute Gestein auf nur einer Schulter nach oben tragen. Ryan erzählt uns, dass er dieser Knochenarbeit bis vor wenigen Jahren auch noch nachgegangen ist.

Minenarbeiter bei Nacht

Die Arbeiter hier haben echt einen der härtesten Jobs der Welt! Unvorstellbar, womit Menschen ihr Geld verdienen müssen. Stell dir vor du packst an jedes Ende einer Hantel 35kg, stemmst die Hantel hoch und trägst sie auf einer Schulter eine halbe Stunde lang die Kraterwand hinauf und dann steht dir noch ein eineinhalbstündiger Marsch nach unten bevor. Entlohnt werden die Minenarbeiter mit gerade mal 60 Cent pro Kilo.

Auch die Bedingungen, unter denen der Schwefel abgebaut wird, sind alles andere als menschenwürdig. Im Krater angekommen, können wir uns davon selbst ein Bild machen.

Der Vulkan ist zwar nicht mehr aktiv. Trotzdem müssen wir uns mit Gasmasken schützen, da die Gase, die aus den Felsspalten entweichen, giftig sind. Glaub mir, so eine Gasmaske schützt dich aber nur bedingt.

Plötzlich dreht der Wind und wir werden von einer dicken Wolke giftiger Gase eingehüllt. Sofort beginnen die Augen zu tränen, ich drücke die Gasmaske fester ans Gesicht und versuche wenigstens einigermaßen Luft zu bekommen. Die Sicht ist gleich null und man kann schnell die Orientierung verlieren. In der Nähe hört man die Arbeiter husten und keuchen und immer wieder das Geräusch der Spitzhacke, mit der sie den Schwefel abbauen. Die Gase schnüren mir regelrecht den Hals zu und bei Tina setzt trotz Gasmaske ein Reizhusten ein. Auf Ryans Anweisungen hocken wir uns auf den Boden und harren aus bis der Wind wieder dreht – echt ein beängstigendes Gefühl. Ich glaube, für Tina ist es noch viel schlimmer als für mich.

Die Minenarbeiter setzen ihre Arbeit unbeirrt fort, manche auch ohne Maske. Warum, das verstehe ich bis heute nicht – auf Nachfrage, meint Ryan, dass jeder Minenarbeiter eine Maske hat, um sich zu schützen. Bei diesen Arbeitsbedingungen ist es kein Wunder, dass viele der Minenarbeiter eine viel kürzere Lebenserwartungen haben als der Rest der Bevölkerung auf Java.

Als der Wind nach einigen Minuten wieder dreht und die Gaswolke von uns wegweht, können wir einen Blick auf die blauen Flammen erhaschen. Ryan verrät uns, dass er einen Weg in eine Höhle im Krater kennt. Dort lodert das blaue Feuer und bietet ein beeindruckendes Naturschauspiel. Allerdings wird der Eingang von einem Security bewacht, denn der Zutritt ist nicht gestattet – zu gefährlich. Natürlich haben die indonesischen Behörden Angst, dass Unfälle passieren. Erst vor einigen Jahren ist ein Minenarbeiter kollabiert, konnte aber noch rechtzeitig ärztlich versorgt werden. Als Konsequenz wurde der Aufstieg für einige Zeit erst ab 3 Uhr gestattet – heißt man erreicht den Krater schon bei Dämmerung und hat keine Chance mehr die blauen Flammen zu sehen. Inzwischen ist diese Regulierung aber wieder aufgehoben.

Blaue Flammen lodern aus der Kraterwand des Ijen
„Blue Fire“ im Krater des Ijen

Nach kurzer Zeit, irgendwie fühlen wir uns hier unten nicht ganz wohl, machen wir uns wieder auf den Weg nach oben – inzwischen haben die Massen an Touristen, die etwas langsamer unterwegs waren als wir, allerdings auch den Krater erreicht und steigen die Kraterwand hinab. Die aneinander gereihten Taschenlampen bieten einen wahnsinnigen Anblick. Erst jetzt wird uns bewusst, wie viele Touristen dieser Vulkan anzieht. Würde man sich dieser Masse anschließen, dann braucht man eigentlich keinen Guide, aber auf jeden Fall eine gut funktionierende Gasmaske.

Abstieg in den Krater bei Nacht
Eine „Schlange“ aus Taschenlampen – alle wollen in den Krater

Alle wollen nach unten, wir als Einzige nach oben – also heißt es an der ein oder anderen schmalen Stelle warten bis sich uns die Chance bietet weiter zu laufen. Wir brauchen recht lang bis wir den oberen Kraterrand wieder erreicht haben und wir haben keine 70kg auf einer Schulter zu tragen – die Minenarbeiter schon.

Oben angekommen suchen wir uns ein windgeschütztes Plätzchen und warten auf den Sonnenaufgang. Leider geht die Sonne zu dieser Jahreszeit hinter dem Berg auf. Trotzdem lässt die Dämmerung uns schon erahnen, welch toller Anblick uns hier erwartet. Im Krater hat sich ein türkisfarbener See gebildet – ich kann mich nur wiederholen wie beeindruckend schön die Natur sein kann.

Langzeitbelichtung Kratersee Ijen
Langzeitbelichtung des Kratersees im Ijen
Blick auf den türkisen Kratersee Ijen
Die beeindruckenden Farben des Ijen

Bevor wir wieder hinab steigen, frage ich Ryan, ob er einen Minenarbeiter um ein Foto bitten kann. Dieser Wunsch wird mir gern erfüllt, denn natürlich lassen sich damit ein paar Rupien dazu verdienen. Als Trinkgeld sollte man mindestens 30.000 Rupien (ca. 2€) geben.

Portrait Minenarbeiter

Korb beladen mit 70kg Schwefel

Ryan hilft uns auch noch dabei ein paar Selfies zu machen und dann wird es Zeit für uns den Rückweg anzutreten. Erst in diesem Moment nehmen wir den spektakulären Blick vom Vulkan war – wir befinden uns auf 2800m über den tief hängenden Wolken im Tal.

Selfie mit Gasmasken
Gestellt – die Gasmasken braucht man zum Glück nur im Krater

Portrait auf dem Ijen

Selfie zu dritt - Ryan und wir
Danke!
Über den Wolken
Über den Wolken

Für den Weg nach unten brauchen wir knapp eine Stunde. Wir verabschieden uns von Ryan und steigen wieder zu Teddy ins Auto, der die ganze Nacht auf uns gewartet hat.

Erschöpft, aber glücklich - Selfie danach
Erschöpft, aber glücklich!

Auf dem Heimweg hält Teddy an einer Kaffeeplantage an, außerdem gibt er uns eine Runde frittierte Bananen aus und auch an einem Wasserfall machen wir einen kurzen Stopp. Zurück im Auto wird uns bewusst wie geschafft wir sind und so fallen uns beiden die Augen zu.

Wir sind wirklich super froh, dass wir uns für eine „organisierte“ Tour mit Teddy entschieden haben. Unser Geld haben wir sinnvoll investiert, auch wenn die Tour mit 600.000 Rupien (36€) pro Person für unser Budget nicht ganz billig war.

Wieder im Bungalow angekommen, springen wir unter die Dusche, frühstücken, packen unsere Sachen und dann fährt uns Teddy zum Hafen, wo wir heute Mittag mit der Fähre nach Bali übersetzen werden.

Uns stehen noch 10 Tage „Urlaub“ bevor – „Urlaub vom Urlaub“ sozusagen – bevor wir in knapp 2 Wochen wieder in den Alltag zurück kehren werden. Fühlt sich noch ziemlich unvorstellbar an, gerade wo wir uns hier mitten im Paradies befinden.

Fazit: Wenn du in Indonesien bist, dann besteige unbedingt einen Vulkan. Hinter uns liegen fünf unbeschreiblich schöne Tage, die definitiv zu unseren Highlights der Reise gehören. Auch die Kosten hierfür waren echt überschaubar.

Zu zweit haben wir 52€ für den Flug von Bali nach Java ausgegeben, 30€ für das Taxi nach Cemoro Lawang, 42€ für zwei Nächte im Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru, 18€ hat uns der Eintritt für zwei Tage in den Nationalpark gekostet, den wir der Unterkunft gezahlt haben. 7,50€ zahlten wir dem Taxifahrer zum Bahnhof, die Zugfahrt nach Banyuwangi kostete uns für zwei Personen nur knapp 7€. Zwei Nächte in Teddys wunderschöner Unterkunft schlugen mit nur 30€ zu buche und seine organisierte Privattour kostete uns 72€. Macht also 130€ pro Person für 5 Tage und 4 Nächte – das ist ein sehr fairer Preis. Zum Vergleich eine Rund-um-sorglos-Tour für 3 Tage und 2 Nächte hätte uns 180€ pro Person gekostet, allerdings hätten wir dann niemals die Freiheiten gehabt, die wir uns in den letzten 5 Tagen nehmen konnten.

Bist du auch schon mal auf einen Vulkan gestiegen? Wir sind gespannt auf deine Geschichte. Beantworten dir aber auch gern deine Fragen, wenn du demnächst vor hast, einen Vulkan auf Java zu besteigen.

PS: Den Rinjani auf Lombok habe ich vor 8 Jahren auch schon bezwungen und glaub mir, das war das wohl Anstrengendste, was ich je in meinem Leben gemacht habe – dafür aber unvergesslich – beeindruckend schön.

Stefan

seit über 10 Jahren Fotograf und seit 2009 offiziell reisesüchtig und permanent von Fernweh geplagt, bin ich immer wieder auf der Suche nach neuen Abenteuern in der großen weiten Welt. Auf meinem Blog möchte ich dir alle meine Tipps zum Thema Reisen und Fotografie verraten und dafür sorgen, dass du perfekt gerüstet in dein nächstes Abenteuer startest!Hier erfährst du mehr Über mich

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